Anquatschversuche


Der Verfassungsschutz hat immer Interesse an Informationen über politisch aktive Gruppen und Einzelpersonen. Er versucht nicht nur über hauptamtliche Spitzel Einblick in Gruppenstrukturen zu bekommen, sondern quatscht gezielt Aktivist_innen an, um diese zu einer Zusammenarbeit zu bewegen.

Die Verfassungsschützer_innen lauern potentiellen Opfern an deren Wohnungstür auf, aber auch manchmal auf dem Weg zum Arbeitsplatz, in der Kneipe, beim Sport etc. Manchmal rufen sie auch an und wollen ein Treffen vereinbaren. Sie stellen sich oft als Mitarbeiter_innen einer Bundesbehörde vor, können sich aber auch als was ganz anderes ausgeben, z.B. als freie Mitarbeiter einer Arbeitsagentur.

Versuche auf die Spitzelwerbung zum Schein einzugehen, um was „raus zu finden“ sind prinzipiell falsch und gefährlich. Wenn du angesprochen wirst, ist es ihr Ziel, von dir Informationen über konkrete Aktionen, politische Zusammenhänge und Strukturen zu erhalten. Und zwar möglichst umfangreich, lange und kontinuierlich. Du triffst auf psychologisch gut geschulte Personen, denen du nicht gewachsen bist und Versuche „den Spieß umzudrehen“ führen nur dazu, dass du Informationen – und seien es in deinen Augen auch noch so unwichtige – Preis gibst.

Meistens kommen Anquatschversuche überraschend. Bevor der Verfassungsschutz (VS) jemanden anspricht, werden genaue Erkundigungen über die Zielperson eingeholt. Deshalb wissen die Beamt_innen im Gespräch oft viele Details, die eine_n im ersten Augenblick überraschen und verunsichern. Wenn also der Verfassungsschutz plötzlich vor dir steht, ist es erst einmal wichtig ruhig Blut zu bewahren. Wer von den Schnüfflern angesprochen wird, hat nichts falsch gemacht, da potentiell jede_r hiervon betroffen sein kann.

Wenn du durch Verfassungsschützer_innen angesprochen wirst, beende das Gespräch sofort. Schlag ihnen die Tür vor der Nase zu oder geh einfach weg. Mach ihnen klar, dass du mit ihnen in keinerlei Hinsicht zusammenarbeiten wirst und sie schleunigst verschwinden zu haben. 
Lass dir keine Angst machen.

Wie bei allen anderen Strafverfolgungsbehörden gilt auch beim Verfassungsschutz: Keine Aussagen! Bei jeder noch so kleinen Diskussion gibst du Informationen, z.B. über deine politische Anschauung, preis.

Laß dir den Ausweis zeigen und präge dir den Namen, das Aussehen der Person(en), gegebenenfalls Auto und Autokennzeichen möglichst genau ein. Dies schützt zwar nicht davor, dass sie ihren Namen und das Auto wechseln, macht es ihnen aber bei Veröffentlichung schwerer, weiterhin Leute zu belästigen und herumzuschnüffeln. Prinzipiell ist es sehr nützlich nach dem Vorfall ein schriftliches Gedächtnisprotokoll anzufertigen.

Und ganz wichtig: Rede mit Freund_innen und Bekannten über den Anquatschversuch und melde dich bei uns. Unsere wirksamste Waffe ist ein offener, vertrauensvoller und solidarischer Umgang miteinander. Ein Anquatschversuch macht Angst. Dass der Staat Interesse an dir hat, ist weder deine Schuld noch ein Grund dich zu verstecken. Es ist nie zu spät, mit jemandem darüber zu reden, auch und gerade wenn du das Gefühl hast, etwas falsch gemacht zu haben.

Um dich und deine Zusammenhänge vor Repressionen zu schützen ist es sinnvoll, den Anquatschversuch öffentlich zu machen. Öffentlichkeit ist der einzige Schutz vor Anquatschversuchen. Es ist wichtig, dass diese Vorfälle nicht verschwiegen werden – geheime Dienste scheuen das Licht! Hierbei helfen wir dir natürlich.


zum Flyer „Lasst Euch nicht anquatschen!“


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